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Wie ich eine Content Marketing Agentur ohne Content Marketing aufgebaut habe…

…und warum das verdammt dumm war!

Nein, ich bereue es nicht, eine Content Marketing Agentur gegründet zu haben. Ich arbeite mit einem geilen Team zusammen, unsere Kunden sind extrem spannend und happy und mich kotzt es montags nicht an, aufzustehen. Ich stehe sogar gerne auf und so langsam entwickelt sich eine gewisse Sucht. Sick!

Es war nur falsch, keinen eigenen, wenn auch sparsamen, Content-Marketing-Prozess zu etablieren und damit neben einer gewissen Reichweite auch eine kleine Autorität zu erlangen. Davon hätten wir heute profitieren können.

Aber zunächst zum Hintergrund, zur Gründung und den Umständen

Ende 2013 gründete ich eine Content Marketing Agentur mit 300 Euro Stammkapital und war damit von der ersten Minute an insolvenzgefährdet. Da ich keine Ersparnisse hatte und die Gründung der Agentur eine existenzielle Rolle für mich spielte, musste ich sehr schnell Einnahmen erzielen. Das einzige Kapital, das mir zur Verfügung stand, waren meine Fähigkeiten im Texten und im Netzwerken. Also entschied ich mich für das Social Selling (hier findet ihr einen Artikel zu meiner XING-Story).

XING Selling als Katalysator für meine Content Marketing Agentur

Ich wählte aufgrund meines bestehenden Netzwerks XING aus und definierte zunächst meine perfekte Buyer Persona. Ich recherchierte Personen, die Marketing Manager von Unternehmen waren, welche aufgrund meiner Recherchen über ein solides Marketingbudget verfügen mussten. Diese schrieb ich in den verschiedenen Stages der Buyer´s Journeys an (mein Fehler: Ich versendete immer dieselbe Nachricht, daher wahrscheinlich die schlechte Conversion-Rate.).

Für mich sah die Journey ganz einfach aus

  • arbeitet grundsätzlich mit Content, sucht jedoch nicht proaktiv nach Anbietern

hat keinen Bedarf oder weiß nichts von seinem Bedarf

  • arbeitet grundsätzlich mit Content, ist interessiert am Austausch mit Anbietern

hat keinen definierten Bedarf, kann aber aktiviert werden

  • arbeitet grundsätzlich mit Content, sucht proaktiv nach einer Content Marketing Agentur

hat irgendeine Art von Bedarf, vielleicht sogar spezifisch

Die Nachricht beinhaltete eine Kurzvorstellung meiner Person und der Content Marketing Agentur, eine Frage, ob grundsätzlich Bedarf in diesem Bereich bestünde, und das Angebot eines kostenlosen Probeprojektes.

Wie ging die Reise nun weiter?

Die Nachricht ging ca. 1000 Mal raus. Hier sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass ich kein Tool genutzt habe. Also alles manuell. Während mir die nächste Büromiete und einige kleinere Fixkosten im Nacken hingen, verzeichneten die Maßnahmen erstmal keinen Erfolg.

Fuck!

Nach einigen Wochen passierte jedoch das für mich Unglaubliche. Die ersten Antworten gingen in meinem Posteingang ein. In den darauffolgenden Wochen wurden Probeprojekte in Anspruch genommen, andere meldeten sich direkt mit kleineren Aufträgen und wiederum andere sendeten nach einigen Wochen der Konversation eine Anfrage über unsere Website.

Bäm!

Ich zog die Maßnahme für knappe drei Monate konsequent durch und das Ergebnis konnte sich sehen lassen:

  • versendete Nachrichten: ca. 1000
  • aufgewendete Stunden inkl. Kommunikation: ca. 340 Stunden
  • Neukunden: 11
  • Umsatz pro Neukunde: ca. 10.363€
  • Umsatz 2014 via Social Selling: 114.000€
  • „Conversion-Rate“: 1,1%

Dadurch sollte sich für die Geschäftsjahre 2014, 2015 und 2016 ein Gesamtumsatz via Social Selling von 443.000 Euro ergeben.

Warum ich kein Content-Marketing genutzt habe?

Zum einen Teil trifft hier die schöne Prokrastination. Ich hatte mir vorgenommen, mit Content Marketing zu starten, sobald etwas Budget dafür übrig sein würde (in meinem Fall Zeitbudget). Als es allerdings Zeit und finanzielle Mittel zuließen, so langsam durchzustarten, und ich mir eine Content Marketing Strategie zurechtgelegt hatte, schien die Umsetzung der Maßnahmen doch die geplanten zeitlichen und finanziellen Kapazitäten zu übersteigen. Und beim nächsten Mal wieder. Und so weiter, und so fort.

Zum anderen lag es vielmehr an der Bestätigung durch die Umsätze via XING: „Ich konnte das Umsatzwachstum meiner Agentur aktiv mitbestimmen, wozu also weitere Maßnahmen starten?“. Nachdem auch noch einige organische Rankings der Website sowie Anfragen dazukamen und ein kleines AdWords-Budget weitere Leads generierte hatte, war ich blind genug, mich nicht mehr um den Start unseres Content Marketings zu kümmern.

Einfach nur dumm!

Und das ist mir und meiner Content Marketing Agentur durch die Lappen gegangen

Das sind nur wenige Punkte, die man hier nennen kann:

Verschenkte Reichweite

Wir hätten in diesen drei Jahren einen Blogartikel wöchentlich veröffentlichen können. Dadurch hätte Google 144 Seiten von contentsquare indexiert, 144 bis mehrere hundert Long-Tail-Keywords hätten es in die SERPs geschafft und nicht zuletzt hätten wir uns eine kleine Community via Twitter, Facebook & Co. aufbauen können. Hätte, hätte…

Glaubwürdigkeit

Viele Marketing Agenturen vernachlässigen ihr Eigenmarketing, obwohl sie bei ihren Kunden exzellente Ergebnisse erzielen. Das wollte ich nie. Ich wusste bereits nach einigen Monaten mit contentsquare, dass ich ein Unternehmen aufbauen könnte, das langfristig und nachhaltig wirtschaften könnte. Neben vielen anderen Faktoren erachte ich die Glaubwürdigkeit als essentiell für geschäftlichen Erfolg. Wenn ich das lebe, was ich anbiete, werde ich glaubwürdig. Ich habe über 36 Monate lang die Glaubwürdigkeit meines Unternehmens verspielt.

Neukunden

Was sich aus fehlender Glaubwürdigkeit ergibt, sind mitunter fehlende Neukunden. Während unser Kerngeschäft, die Erstellung von qualitativem Content für unterschiedliche Branchen, erfolgreich verlief, konnten wir uns als Content Marketing Agentur nur schwer positionieren. Und wer sich nicht positioniert, verliert mit der Zeit. Was uns hier de facto fehlte, waren Anfragen über organische Suchergebnisse sowie Leads über Social Media und einen an Traffic reichen Blog.

So what?

Verkaufen über soziale Netzwerke ist eine tolle Sache. Ich kann mich mit potentiellen Kunden via XING oder LinkedIn in Verbindung setzen, ihnen kostenlos bei der Lösung eines Problems helfen oder sie einfach fragen, ob sie derzeit nach externer Unterstützung suchen. Ich kann die Prozesse aktiv handeln, den ROI kinderleicht messen und eine Art von Growth Hacking für mein Unternehmen betreiben. Aber genau das sollte es auch bleiben. Eine Art von Growth Hacking, die als unterstützende und nicht als zentrale Maßnahme angegangen werden sollte. Also verlasst euch niemals auf das, was gerade zu funktionieren scheint!

An euch da draußen, die ihr mit Social Selling, Kaltaquise via Mail und Telefon, Paid Media im Internet oder gar mit Einträgen in den Gelben Seiten (erfolgreich) arbeitet: Eines Tages werden diese Kanäle aus irgendeinem Grund vielleicht nicht mehr funktionieren. Macht es also besser als ich und schafft euch zusätzliche, eigene Kanäle, verdiente Kanäle!

Ich bin stolz darauf, dass contentsquare mit der ersten Content Marketing Kampagne live gegangen ist. Zeitliche, finanzielle wie personelle Strukturen und Prozesse stehen, und wir werden die Fehler der letzten drei Jahre ausmerzen.

Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht? Dann freue ich mich auf Deinen Kommentar!

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