Wie ich mit Social Selling XING gerockt habe

 

Social Selling ist DAS neue Buzzword, das mir tatsächlich erst vor Kurzem untergekommen ist. Bei Google Trends ist ein stärkerer Anstieg zu verzeichnen, der Begriff selbst kursiert seit etwa 2012 im Internet.

Google Trend Social Selling

Versuch einer Definition von Social Selling

Laut Christina Newberry von Hootsuite stellt Social Selling eine Methode dar, welche den Beziehungsaufbau und die Beziehungspflege mit potentiellen Kunden ermöglicht. So könne die eigene Person oder Marke im Bewusstsein des Gegenübers verankert werden. Weiter erklärt Christina, dass im Prinzip jeder, der ein Profil auf Facebook, Twitter oder LinkedIn nutzt, auf irgendeine Weise Social Selling betreibe.

Aber ich interpretierte es damals so: Social Selling bietet mir eine Möglichkeit, mich mit wenig Aufwand und null Budget mit meiner Zielgruppe zu vernetzen und direkt an sie zu verkaufen. Aber nur dann, wenn die Person, an die ich herantrete, zu diesem Zeitpunkt das sucht, was ich anbiete. Und mein Angebot nicht nur glaubwürdig, sondern auch qualitativ ist.

Und ganz wichtig: ich darf die Leute nicht nerven, aber dazu später mehr!

Disclaimer:

Ich glaube nicht, dass der Weg, wie ich ihn gewählt habe, der beste war. Die Definition von Christina ist hier wohl treffender. Am Ende ist es Beziehungsaufbau und Beziehungspflege, um irgendetwas zu erreichen, und lässt sich vielleicht auf den Buchtitel von Gary Vaynerchuk ganz gut herunterbrechen „Jab, Jab, Jab, RIGHT HOOK“.

Ein Gründer und sein hartes B2B Social Selling via XING

In meinem Artikel „Wie ich eine Content Marketing Agentur ohne Content Marketing gegründet habe…“ habe ich bereits über ein paar Fakten hinsichtlich meines Einsatzes von Social Selling geschrieben.

Als ich Ende 2013 meine Content Marketing Agentur contentsquare gegründet habe, war ich von der ersten Minute an auf die härteste und häufig unterschätzte Währung aller Marketingdisziplinen angewiesen: auf Umsatz.

Da ich aus verschiedenen Gründen kein Content Marketing betreiben wollte, kein Budget für AdWords hatte und keine Zeit, selbst Content zu erstellen, wählte ich XING als Vermarktungsplattform für meine Akquise.

Ich habe keinen „weichen“, sondern einen sehr direkten Ansatz gewählt, den man als „outboundish“ bezeichnen könnte.

Wie ich meine Leistungen über XING verkauft habe

Das klingt ja so, als hätte jemand direkt über XING etwas gekauft. Natürlich hat das niemand. Aber ich konnte direkte und potentielle Geschäftsbeziehungen über Kontaktaufnahmen und Nachrichten aufbauen, ohne den „Umweg“ über Gruppen zu gehen.

Nun aber zum Ablauf.

Vorbereitungen für mein XING Social Selling

Zunächst erstellte ich ein Excel-Sheet, um alle Informationen und Stände zu sammeln und nachzuvollziehen.

Der Reiter „Gruppen“

Die Gruppen waren Berufsbezeichnungen und sozusagen meine „Buyer Personas“.

Folgende Gruppen reichten zunächst aus:

Social Selling XING

 

Später kamen noch weitere dazu.

Zudem ergänzte ich, wo es möglich war oder mir sinnvoll erschien, die Attribute „Junior“ oder „Senior“.

Status: Berufsgruppe ist in Arbeit oder abgeschlossen

Seite: Ergebnisseite in der erweiterten XING-Suche.

Name: Person, zu welcher ich auf der Ergebnisseite gelangt war.

Seite und Name waren also meine Orientierungspunkte, wo ich aufgehört habe und wo ich bei der nächsten Session weitermachen würde.

Aktuelles Beispiel:

In der erweiterten Suche von XING zu „SEO Manager“ und „Deutschland“ werden heute (07.03.2017) 4.153 Ergebnisse angezeigt.

Der Reiter XING Leads

Zwei Spalten mit der Benennung „Aktuelle Interessenten“ und Status reichten hier aus, um diejenigen Personen festzuhalten, die auf irgendeine Art und Weise auf meine Kontaktaufnahme reagieren würden. Für den Status nutzte ich drei Farben, um die „Temperatur“ des Leads festzuhalten:

  • Blau: kalt

Nachfassen in vier bis acht Wochen.

  • Gelb: lauwarm

Nachfassen in zwei bis vier Wochen.

  • Rot: heiß

Dranbleiben, also möglichst schnell den Kontakt von XING auf Mail und Telefon verlagern und konkretisieren.

Die Reiter Monat

Zudem ordnete ich jedem Monat einen eigenen Ordner zu, um monatlich folgende Daten festhalten und später analysieren zu können:

  • Datum
  • Anzahl Kontaktanfragen
  • Anzahl Nachrichten
  • Aktuelle Leads
  • Status

Schließlich brauchte ich noch einen Text, den ich sowohl für eine Kontaktanfrage als auch für eine Direktnachricht nutzen konnte. Ich habe eine Weile lang experimentiert und verschiedene Versionen ausprobiert. Schließlich zeigte sich, dass die einfachste Version die beste war:

Die Nachricht sah in etwa so aus:

Hallo Ansprechpartner,

mein Name ist Damir Dzelalagic und ich bin Gründer und Geschäftsführer von contentsquare. Wir sind eine Content Agentur aus Köln, vergrößern aktuell unser Team und arbeiten für Unternehmen der Scout24-Gruppe, RP Digital, VAUDE und viele mehr.

Bei meinen Recherchen bin ich auf Sie aufmerksam geworden und habe mich gefragt, ob Sie ggf. nach einem zuverlässigen und qualitativen Partner im Bereich Content Marketing suchen?

Ich freue mich sehr auf Ihre Antwort!

Herzliche Grüße,
Damir Dzelalagic

Der Sprung ins kalte Wasser

Anschließend bin ich die Sache extrem pauschal angegangen. Und so sah das Rezept aus:

 

Erweiterte Suche XING Social Selling

 

  • Erweiterte Suche von XING öffnen
  • Im Feld Position „SEO Manager“ eingeben
  • Bei Land „Deutschland“ wählen
  • Et vóila: 4.154 in Deutschland tätige SEO Manager

Anschließend fing die mühselige Arbeit an. Ich öffnete jeden potentiellen Kontakt und achtete insbesondere auf folgende Informationen im Profil:

  • Unternehmensgröße
  • „Ich suche“-Feld
  • Aktivität

Arbeitet die Person in einem großen Unternehmen, das aufgrund zahlreicher oder umfangreicher Websites höchstwahrscheinlich auf externe Unterstützung bei Content-Erstellung oder –Planung zurückgreifen würde?

Hat die Person in ihrem „Ich suche“-Feld Begriffe wie „Content Agentur“, „Content Marketing Agentur“, „Content“ oder ähnliche verwendet?

Stehen im Aktivitätsindex die gewünschten 100 Prozent?

Wenn ich diese drei Fragen mit „Ja“ beantworten konnte, versendete ich ohne zu zögern eine Nachricht oder eine Kontaktanfrage.

Wenn ich eine oder sogar zwei der Fragen mit „Nein“ beantwortete, musste mein Bauchgefühl herhalten.

Und so arbeitete ich mich nahezu täglich durch die oben genannten Berufsgruppen, hielt den jeweiligen Status in meiner Excel-Datei fest und behielt den Überblick.

War das nun Social Spamming oder Social Selling?

Ich habe keine konkrete Antwort auf diese Frage. Ich weiß nur, dass sich dadurch sehr umfangreiche und langjährige Partnerschaften ergeben haben. Wir arbeiten noch heute für die größeren Unternehmen, die wir damals gewinnen konnten. Aber man könnte es durchaus als Hardselling bezeichnen.

In seinem Artikel auf onlinemarketing.de beschreibt Andreas Wieland die XING-Massenstrategie in etwa so:

Verbinde Dich auf XING mit Hinz und Kunz, versende Deinen Sales-Pitch 10.000 Mal und hoffe, dass ein paar Hundert auf das Angebot hereinfallen.
Andreas scheint hier also jemanden mit betrügerischen Absichten zu adressieren, auf dessen Sales-Pitch jemand „hereinfallen soll“.

Ich versuche es mal in „ähnlichen“ Worten positiv zu beschreiben:

Verbinde Dich auf XING mit Deinen potentiellen Kunden, versende eine Nachricht mit der Frage, ob Interesse an Deinen Leistungen bestehe und hoffe, dass x Prozent mit Dir ins Geschäft kommen wollen.

Ich habe in der Tat 1000 Nachrichten und Kontaktanfragen verschickt und ein einziges Mal eine genervte Antwort erhalten. Der Herr unterstellte mir Spam, drohte mir an mich bei XING zu melden und nachdem ich mich ganz normal entschuldigt hatte, war die Sache (nicht) gegessen. Ich erhielt im Anschluss mehrere Nachrichten von ihm mit der Erklärung, warum er so gereizt reagiert hatte. Er war wohl sehr häufig angeschrieben worden, weil ihm jemand etwas verkaufen wollte und ich konnte ihn gut verstehen.

Auf der anderen Seite kann ich nicht nachvollziehen, dass sich jemand genervt fühlt, wenn er in seinem Profil angibt, dass er nach etwas sucht und ihn jemand einmalig anschreibt und fragt, ob hier seine Leistung in Frage kommt.

Wie ging es mit meinem Social Selling weiter?

Naja, ich versendete über einen Zeitraum von etwa drei Monaten 1000 Nachrichten und Kontaktanfragen. Damals erhoffte ich mir sofortige Reaktionen und musste zunächst die Zähne zusammenbeißen. Nach einigen Wochen ging es allerdings los. Die Antworten, die ich erhielt, waren bis auf die oben beschriebene durchweg positiv. Entweder erhielt ich eine freundliche Nachricht, dass kein Interesse bestand (diese Personen ließ ich komplett in Ruhe). Oder mir wurde Interesse bekundet, allerdings erst in X Wochen oder Monaten, diese Personen kamen sozusagen auf Wiedervorlage. Oder ich war direkt im Gespräch und konnte dieses telefonisch oder per Mail weiterverfolgen. Ich habe folgende Ergebnisse bereits in einem anderen Blogartikel beschrieben:

  • Versendete Nachrichten: ca. 1000
  • Aufgewendete Stunden inkl. Kommunikation: ca. 340
  • Neukunden: 11
  • Umsatz pro Neukunde: ca. 10.363€
  • Umsatz 2014 via Social Selling: 114.000€
  • „Conversion-Rate“: 1,1%

Es lief ganz gut. Für die Jahre 2014, 2015, 2016 und 2017 konnte ich bisher einen Umsatz von knapp 500.000€ erwirtschaften. Wobei der Großteil dieses Umsatzes den Maßnahmen von 2014 zu verdanken ist.

Wie ich Social Selling im eigentlichen Sinne genutzt habe, ohne es zu merken

Eine Anfrage per Email, ein Anruf eines potentiellen Kunden oder eine Empfehlung: sobald ich auf diese Kontaktaufnahmen und mögliche Neugeschäfte reagiere, treibt es mich zunächst auf drei Websites.

  1. Die Website des Unternehmens
  2. Das XING-Profil des Unternehmens und meines Ansprechpartners
  3. Das LinkedIn-Profil des Unternehmens und meines Ansprechpartners

Ich informiere mich über die Unternehmensgröße und den Umsatz der letzten drei Jahre, über Marketingaktivitäten und verschaffe mir eventuell mit einer Kurzanalyse einen Überblick zum Status Quo der Website in den Suchmaschinen.

Über Ansprechpartner möchte ich gerne wissen, wie lange er bereits in seiner Position arbeitet, wie seine berufliche Historie aussieht, ob er möglicherweise Budgetverantwortung trägt und wo seine beruflichen und persönlichen Interessen und Ziele liegen. Zudem möchte ich wissen, wer noch am Entscheidungsprozess beteiligt sein könnte und wie ich diese Person einzuschätzen habe.

Warum es kein Fehler war, Social Hardselling zu betreiben und warum es heute ein Fehler wäre

Als ich damals 1000 Nachrichten quer durch XING versendet habe, habe ich es einerseits für meine Existenz gemacht und um etwas aufzubauen. Auf der anderen Seite war ich alleine, hatte noch kein Gefühl dafür was es bedeutet ein Unternehmen zu führen, Verantwortung für Mitarbeiter zu tragen und einen guten Ruf verlieren zu können. Außerdem bin ich der Ansicht, dass das, was ich gemacht habe, mich zu dem gemacht hat, was ich bin. Und ich will nichts anderes sein. Also war es nicht falsch.

Aber heute würde es einen riesigen Fehler darstellen, wenn ich mir 1000 Entscheider auf XING und LinkedIn aussuchen und allen dieselbe Nachricht senden würde. Und zwar würde der folgende Fall die wohl größte Gefahr für mich darstellen.

Fieser Rufschaden

Wenn auch nur einer der 1000 Entscheider, die ich anschreiben würde, sich belästigt fühlen würden, wäre die Wahrscheinlichkeit nicht gerade gering, dass er das äußern würde. Und ich meine nicht äußern im Sinne einer Nachricht an mich, ich solle das unterlassen. Sondern im Sinne einer öffentlichen Äußerung. Je nach Größe der Netzwerke dieser Entscheider (die in der Regel nicht klein sind), würden hunderte oder tausende unserer potentiellen Kunden davon erfahren. Und dies würde bei ebendiesen hunderten und tausenden wiederum die Wahrscheinlich drastisch senken, dass sie sich irgendwann für mein Unternehmen und für eine Zusammenarbeit entscheiden würden, wenn einmal die Gelegenheit käme.

Und das Beste ist, auch meine Bestandskunden könnten davon erfahren, dass wir uns Kaltakquise-Techniken in den Sozialen Medien bedienen. Zwar sind wir bei unseren Kunden etabliert und genießen Vertrauen, weil wir uns dieses hart erarbeitet haben, ein Nachteil wäre es dennoch. Basta!

Wie ich Social Selling angehen könnte, um mich zu positionieren

Absatzwirtschaft hat im Juni 2016 einen schönen Artikel zum Thema herausgebracht. Ich gebe die Zusammenfassung am Ende des Artikels zu den Erfolgsfaktoren kurz in eigenen Worten wider:

Professioneller Auftritt  

Sowohl der Vertriebler als auch das Unternehmen müssen in sozialen Netzwerken einen professionellen (und meiner Meinung nach authentischen) Auftritt gewährleisten können.

Die richtigen Personen identifizieren

Bei größeren Unternehmen gilt grundsätzlich, dass mehrere Personen am Einkaufs- und Entscheidungsprozess beteiligt sind. Das bedeutet, dass ein „Social Seller“ mehrere Ansprechpartner identifizieren muss.

Beziehungsaufbau- und pflege

Neben der Möglichkeit, proaktiv Kontakte zu Entscheidern aufzubauen, können auch Intros ein sehr nützliches Tool sein. Wer könnte mich einer interessanten Person vorstellen? Oder wer aus meinem Team ist bereits mit einem Entscheider vernetzt?

Und das Wichtigste: Wissen kostenlos weitergeben

Da jeder gerne ins Geschäft mit Experten kommt, sollte man besser einer sein. Dabei sollte die kostenlose Weitergabe von Wissen im Vordergrund stehen, um für die Zielgruppe interessant und vor allem hilfreich zu werden. Auf diese Weise entstehen laut Theorie automatisch neue Kontakte.

Was ich nun weiter vorhabe

Ich bin nach wie vor ein Fan davon, das Marketing meiner Agentur neben langfristigen Maßnahmen wie Content Marketing und Branding proaktiv zu hacken. Und ich habe das Gefühl, dass ich meine Erfahrungen durch das Social Selling auf XING dafür einsetzen kann, über LinkedIn ähnliche Ergebnisse zu erzielen. Allerdings möchte ich, wie oben beschrieben, keine 1000 Nachrichten verschicken, sondern nachhaltig Networking betreiben und Menschen helfen. Derzeit lese ich ein eBook von HubSpot, genauer gesagt den dritten Teil einer eBook-Serie zum Thema LinkedIn. Folgende Aspekte werden als Schwerpunkte beleuchtet:

  • Unternehmensseiten
  • Fokusseiten
  • LinkedIn-Gruppen
  • Werbung mit LinkedIn
  • Ausblick

    Meine Aufgabe ist nun folgende: Ich werde über die nächsten sieben Tage mehrere Experten-Quellen lesen, die mir sämtliche Potentiale von LinkedIn vermitteln. Anschließend geht es an die Umsetzung. Dazu wird es einen neuen Artikel geben, der hier auch verlinkt wird.

    Fazit

    Social Selling ist der Hammer! Ob auf die umstrittene Old School Variante, wie ich sie auf XING genutzt habe oder als produktives Netzwerken zur Positionierung der eigenen Person oder des eigenen Unternehmens. Netzwerke wie XING, LinkedIn, Facebook und Twitter sind prädestiniert dafür, sich ein Netzwerk aufzubauen, das zu einem Teil aus potentiellen Kunden besteht, mit diesem Netzwerk zu interagieren und Neugeschäft zu schaffen. Ich glaube, dass es noch falsch angegangen wird, wenn ich mir meinen Posteingang auf XING und LinkedIn ansehen, und werde herausfinden, wie man es richtig macht! Cheers!

    Wie ich eine Content Marketing Agentur ohne Content Marketing aufgebaut habe…

    …und warum das verdammt dumm war!

    Nein, ich bereue es nicht, eine Content Marketing Agentur gegründet zu haben. Ich arbeite mit einem geilen Team zusammen, unsere Kunden sind extrem spannend und happy und mich kotzt es montags nicht an, aufzustehen. Ich stehe sogar gerne auf und so langsam entwickelt sich eine gewisse Sucht. Sick!

    Es war nur falsch, keinen eigenen, wenn auch sparsamen, Content-Marketing-Prozess zu etablieren und damit neben einer gewissen Reichweite auch eine kleine Autorität zu erlangen. Davon hätten wir heute profitieren können.

    Aber zunächst zum Hintergrund, zur Gründung und den Umständen

    Ende 2013 gründete ich eine Content Marketing Agentur mit 300 Euro Stammkapital und war damit von der ersten Minute an insolvenzgefährdet. Da ich keine Ersparnisse hatte und die Gründung der Agentur eine existenzielle Rolle für mich spielte, musste ich sehr schnell Einnahmen erzielen. Das einzige Kapital, das mir zur Verfügung stand, waren meine Fähigkeiten im Texten und im Netzwerken. Also entschied ich mich für das Social Selling (hier findet ihr einen Artikel zu meiner XING-Story).

    XING Selling als Katalysator für meine Content Marketing Agentur

    Ich wählte aufgrund meines bestehenden Netzwerks XING aus und definierte zunächst meine perfekte Buyer Persona. Ich recherchierte Personen, die Marketing Manager von Unternehmen waren, welche aufgrund meiner Recherchen über ein solides Marketingbudget verfügen mussten. Diese schrieb ich in den verschiedenen Stages der Buyer´s Journeys an (mein Fehler: Ich versendete immer dieselbe Nachricht, daher wahrscheinlich die schlechte Conversion-Rate.).

    Für mich sah die Journey ganz einfach aus

    • arbeitet grundsätzlich mit Content, sucht jedoch nicht proaktiv nach Anbietern

    hat keinen Bedarf oder weiß nichts von seinem Bedarf

    • arbeitet grundsätzlich mit Content, ist interessiert am Austausch mit Anbietern

    hat keinen definierten Bedarf, kann aber aktiviert werden

    • arbeitet grundsätzlich mit Content, sucht proaktiv nach einer Content Marketing Agentur

    hat irgendeine Art von Bedarf, vielleicht sogar spezifisch

    Die Nachricht beinhaltete eine Kurzvorstellung meiner Person und der Content Marketing Agentur, eine Frage, ob grundsätzlich Bedarf in diesem Bereich bestünde, und das Angebot eines kostenlosen Probeprojektes.

    Wie ging die Reise nun weiter?

    Die Nachricht ging ca. 1000 Mal raus. Hier sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass ich kein Tool genutzt habe. Also alles manuell. Während mir die nächste Büromiete und einige kleinere Fixkosten im Nacken hingen, verzeichneten die Maßnahmen erstmal keinen Erfolg.

    Fuck!

    Nach einigen Wochen passierte jedoch das für mich Unglaubliche. Die ersten Antworten gingen in meinem Posteingang ein. In den darauffolgenden Wochen wurden Probeprojekte in Anspruch genommen, andere meldeten sich direkt mit kleineren Aufträgen und wiederum andere sendeten nach einigen Wochen der Konversation eine Anfrage über unsere Website.

    Bäm!

    Ich zog die Maßnahme für knappe drei Monate konsequent durch und das Ergebnis konnte sich sehen lassen:

    • versendete Nachrichten: ca. 1000
    • aufgewendete Stunden inkl. Kommunikation: ca. 340 Stunden
    • Neukunden: 11
    • Umsatz pro Neukunde: ca. 10.363€
    • Umsatz 2014 via Social Selling: 114.000€
    • „Conversion-Rate“: 1,1%

    Dadurch sollte sich für die Geschäftsjahre 2014, 2015 und 2016 ein Gesamtumsatz via Social Selling von 443.000 Euro ergeben.

    Warum ich kein Content-Marketing genutzt habe?

    Zum einen Teil trifft hier die schöne Prokrastination. Ich hatte mir vorgenommen, mit Content Marketing zu starten, sobald etwas Budget dafür übrig sein würde (in meinem Fall Zeitbudget). Als es allerdings Zeit und finanzielle Mittel zuließen, so langsam durchzustarten, und ich mir eine Content Marketing Strategie zurechtgelegt hatte, schien die Umsetzung der Maßnahmen doch die geplanten zeitlichen und finanziellen Kapazitäten zu übersteigen. Und beim nächsten Mal wieder. Und so weiter, und so fort.

    Zum anderen lag es vielmehr an der Bestätigung durch die Umsätze via XING: „Ich konnte das Umsatzwachstum meiner Agentur aktiv mitbestimmen, wozu also weitere Maßnahmen starten?“. Nachdem auch noch einige organische Rankings der Website sowie Anfragen dazukamen und ein kleines AdWords-Budget weitere Leads generierte hatte, war ich blind genug, mich nicht mehr um den Start unseres Content Marketings zu kümmern.

    Einfach nur dumm!

    Und das ist mir und meiner Content Marketing Agentur durch die Lappen gegangen

    Das sind nur wenige Punkte, die man hier nennen kann:

    Verschenkte Reichweite

    Wir hätten in diesen drei Jahren einen Blogartikel wöchentlich veröffentlichen können. Dadurch hätte Google 144 Seiten von contentsquare indexiert, 144 bis mehrere hundert Long-Tail-Keywords hätten es in die SERPs geschafft und nicht zuletzt hätten wir uns eine kleine Community via Twitter, Facebook & Co. aufbauen können. Hätte, hätte…

    Glaubwürdigkeit

    Viele Marketing Agenturen vernachlässigen ihr Eigenmarketing, obwohl sie bei ihren Kunden exzellente Ergebnisse erzielen. Das wollte ich nie. Ich wusste bereits nach einigen Monaten mit contentsquare, dass ich ein Unternehmen aufbauen könnte, das langfristig und nachhaltig wirtschaften könnte. Neben vielen anderen Faktoren erachte ich die Glaubwürdigkeit als essentiell für geschäftlichen Erfolg. Wenn ich das lebe, was ich anbiete, werde ich glaubwürdig. Ich habe über 36 Monate lang die Glaubwürdigkeit meines Unternehmens verspielt.

    Neukunden

    Was sich aus fehlender Glaubwürdigkeit ergibt, sind mitunter fehlende Neukunden. Während unser Kerngeschäft, die Erstellung von qualitativem Content für unterschiedliche Branchen, erfolgreich verlief, konnten wir uns als Content Marketing Agentur nur schwer positionieren. Und wer sich nicht positioniert, verliert mit der Zeit. Was uns hier de facto fehlte, waren Anfragen über organische Suchergebnisse sowie Leads über Social Media und einen an Traffic reichen Blog.

    So what?

    Verkaufen über soziale Netzwerke ist eine tolle Sache. Ich kann mich mit potentiellen Kunden via XING oder LinkedIn in Verbindung setzen, ihnen kostenlos bei der Lösung eines Problems helfen oder sie einfach fragen, ob sie derzeit nach externer Unterstützung suchen. Ich kann die Prozesse aktiv handeln, den ROI kinderleicht messen und eine Art von Growth Hacking für mein Unternehmen betreiben. Aber genau das sollte es auch bleiben. Eine Art von Growth Hacking, die als unterstützende und nicht als zentrale Maßnahme angegangen werden sollte. Also verlasst euch niemals auf das, was gerade zu funktionieren scheint!

    An euch da draußen, die ihr mit Social Selling, Kaltaquise via Mail und Telefon, Paid Media im Internet oder gar mit Einträgen in den Gelben Seiten (erfolgreich) arbeitet: Eines Tages werden diese Kanäle aus irgendeinem Grund vielleicht nicht mehr funktionieren. Macht es also besser als ich und schafft euch zusätzliche, eigene Kanäle, verdiente Kanäle!

    Ich bin stolz darauf, dass contentsquare mit der ersten Content Marketing Kampagne live gegangen ist. Zeitliche, finanzielle wie personelle Strukturen und Prozesse stehen, und wir werden die Fehler der letzten drei Jahre ausmerzen.

    Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht? Dann freue ich mich auf Deinen Kommentar!

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